Tonnenweise Haftcreme

350 Senioren, eine Blasmusikkapelle, Politiker, die letzten 20 Finalistinen von Germanys next Topmodel, ein Kinderchor,  Kaffee und Kuchen und ich mittendrin.

Busladungen von alten Menschen wurden heute in die Kellerwaldhalle in Frankenau gefahren, um den Auftakt zum Kreisaltennachmittag zu celebrieren. Und wo viele alten Menschen auf einem Haufen sind, steigt die Warscheinlichkeit von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder einfachen, aber unglaublich wichtigen Blutdruckmessungen zwischendrin exponential an. Da dürfen natürlich ein dufte Rettungssanitäter wie ich und sein Assistent nicht fehlen, um im Fall der Fälle schnell mit Sauerstoff und Blutdruckmanschette mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Es war besser als ich gedacht habe. Ohne wirklich drüber nachzudenken hab ich den Dienst angenommen und mit der Erwartung, dass es unglaublich langweilig wird hab ich mir nen RTW geschnappt und bin Richtung Kellerwald gefahren. Es war aber ganz anders, als es mir mein Hirn prophezeit hatte. Wir saßen gemütlich in dem hinteren abgetrennten Teil für Mitarbeiter und andere Beteiligte, aßen lecker Schnittchen, ab und an ein Stück Kuchen und liessen uns mit Kaffee überschütten. So sollte Arbeit immer sein. Auch die ganzen Busfahrer (Neun an der Zahl) einen Tisch weiter kamen in den Genuss von leichtem Geldverdienen. Bei so lockerer Stimmung durfte auch jobübergreifend gescherzt werden. So sprach ich einen der Fahrer an und sagte: “Ihr hab sie hier her gebracht und wir bringen sie wieder weg.” und auch das Küchenpersonal dufte meinen Charme (Zwinker, zwinker) erleben, als ich in der Küche (50 Isokannen und ein 40 Liter Eimer voller Kaffeesatz bauten sich links und rechts von mir auf) stand und fragte, ob es denn hier Kaffee gäbe. Mir wurden prompt 2 Kannen in die Hand gedrückt und verwundert zurückgenommen, als ich nur um eine einzige Tasse bat. Hätte ich lassen sollen, war koffeeinfrei. Was eine Verschwendung von Wasser, aber hätte ich mir im Betracht auf die Gäste auch denken können.

Anfangs dachte über einen Blogeintrag nach und wie ich diesen formulieren würde. Ich wollte erst über alte Menschen und deren Beschäftigungen im Rentenalter berichten, aber man kam mir zuvor. Ein ebenfalls älterer Herr ergriff für ca. 20 Minuten das Mikrofon und trug ein selbst geschriebenes Gedicht vor. Der Inhalt war meiner Ansicht nach etwas.. sagen wir unpassend. Es ging um die Monotonie im Alter, den immergleichen Tagesabluaf, beginnend mit Tabletten, dem Frühstück und dem Blick in die Zeitung, dem Durchlesen der Todesanzeigen und dem Feststellen, dass alle schwarz eingerahmten Menschen auf der letzten Seite in etwa das gleiche Alter haben wie man selbst, dem Gang durchs Altenheim, dem Überprüfen, wer die Nacht überlebt hat und dem daran erinnert werden, wie viel bekannte Gesichter schon unter der Erde verweilen und dem Feststellen, dass man selbst bald den Löffel abgibt. (Zitierte Formulierung.) Generell darüber, dass das schöne, energiegeladene und spannende Leben schon längst vorbei ist und die nächste große Attraktion der Tod himself sein wird.

Ich hab etwas darüber nachgedacht und frage mich, ob das vor einem Pubikum, dass zusammengerechnet fast 25000 Jahre alt ist nicht vielleicht etwas unpassend ist, aber im Grunde spiegelt es doch die Gedanken alter Menschen wieder. So ist es nunmal und wer schlau ist hat sich damit abgefunden und macht das beste draus. Vielleicht erlernt man die Einstellung “Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter”, denn keine Aussage wäre an dieser Stelle besser geeignet und kein Lebensmotte passender.

Nachdem der Laden dann den Kopf kollektiv fallen gelassen hatte, musste schnell nochmal die Blaskapelle ran und für gute Musik sorgen. Ein weiterer positiver Punkt im Alter ist das mangelde Gedächnis. Grad noch den Tränen nahe, weil Onkel Dietmar mal die Wahrheit verkündet hat und im nächsten Moment ärgert man sich über die Arthrose und dass man wegen ihr nicht zu Alte Kammeraden auf den Tischen tanzen kann. (Hatte ich mal erwähnt, dass ich in einem Musikzug mitgespielt habe? Nein? Gut, ich werde es hier nicht weiter erläutern, wollte nur bemerken, dass ich n bisschen Ahnung von dem Gebiet der Volksmusik habe.) Als krönender Abschluss wurde nochmal das Waldecker Lied gespielt. Meiner unhörbaren Bemerkung, was mit den Rentnern los sei, bei so einem Lied müsse man aufstehen! wurde prompt Folge geleistet. Vielleicht waren die Hörgeräte zu laut eingestellt, ich denke allerdings es war der Anstand und nicht meine Bemerkung, dass alle, selbst der Rollstuhlfahrer (Kein Witz!) aufgestanden sind.

Als Abschlussbemerkung meinerseits sagte ich von der Empore zu den hinausströmenden Rentnern etwas zu laut “Draußen gibt es gratis Kukident!”, was zu einem Lachanfall meines Kollegen und einem leichten schmunzeln der Umstehenden führte.

Was ich noch nicht erwähnt hatte, waren der Kinderchor und die Politiker. Gibt es auch nicht viel zu zu sagen. Die einen standen da und haben irgendwas Unverständliches ins Mikro gesprochen und die anderen.. haben das gleiche gemacht.

Zum Schluss gibt es nochmal die Löffelpolka in voller Länge, viel Spass, cho takoje! (Guckt euch das Video bis wenigstens 1:40 an, dann wisst ihr, warum dieses Meisterwerk “Löffelpolka” heisst..)

Liebe Kinder,

beginnen wir diese Erzählung meines Lebens an einem relativ skurilen Punkt, dem Erwachen am Freitag morgen. Ich fand mich relativ desorientiert in einer Marburger Jugendherberge wieder. 6 Mann Zimmer, Etagenbett, untere Matraze direkt am Eingang. Mir war völlig klar, wie ich dort gelandet war, aber ich hatte keine Ahnung mehr von der Motivation, die mich am Vorabend zu meinen Freunden sagen lies, dass sie doch bitte alleine nach Hause fahren sollen, ich würde schon irgendwo nen Platz zum Schlafen finden. Ich wusste zumindest, dass ich es von vornherein gelant hatte, sonst hätte ich mein Handy nicht aufgeladen und auch die Kopfhörer zu Hause gelassen, die ich sonst immer nur mit mir führe, wenn meine Abendplanung längere Fussmärsche befürchten lässt, zu denen ich gerne Hintergrundmusik habe. Meistens Beatsteaks - Kanonen auf Spatzen, das Live-Ablum. Jane became insane ist da immer ein Lied, dass mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Ich wusste, dass wir Abends in Marburg die FSJ Gruppe, der Laura, Niggo und ich mal angehörten besuchen wollten und das der Typ in dem Bett schräg rechts oben ein Freund und Kollege von mir ist, der mir den Schlafplatz angeboten hatte. Allerdings verlief es alles etwas verwirrend (Als ob ich das nicht schon genug bin ^^ ) und beinhaltete unter anderem einen einstündigen Fussmarsch durch halb Marburg. Ich konnte also mehr als nur Jane became insane hören und das alles vor unserem bis dahin größten Auftritt mit der Band bei Röddenau Rockt.

Nervosität ist nicht so mein Fall. Ich war der einzige, der bei jeder Fachabi Prüfung mit verdammt guter Laune das Klassenzimmer betrat, der bei der Abschlussprüfung zum Rettungssanitäter es schaffte in der Mündlichen dumme Witze zu kloppen und die Prüfer zum Lachen brachte und der sich bei jeder Fortbildung den Optimismus mit einer Schöpfkelle in die lachende Kehle schüttete, während um mich drum rum alles in Panik ausbricht. Freitag ging es mir nur bedingt so.

Um ehrlich zu sein war es ein gewisses Schwanken zwischen purer Freude und vernichtendem Lampenfieber, denn die größe des Zeltes und die damit zusammenhängende Zahl an möglichen Besuchern war einschüchternd. Neben der Realität war an diesem Tag auch das Fernsehen gegen mich. Josh versagte bei einem Auftritt im TV und Drake musste einen schweren Live-Gig hinter sich bringen. Spongebob musste wegen einem fehlgeschlagenen Beamversuch mit Tadäus ein Klarinettenkonzert meistern und auf MTV liefen den ganzen Tag nur Videos vom Rock am Ring 2009. So befand ich mich minütlich in eine andere Stimmung versetzt, doch nach dem Soundcheck überfluteten Endorphine und Partytierchen meinen Körper und dessen Kopf, der von einer 7 Watt Birne zum Leuchten gebracht wird, freute sich nur noch auf den Moment in dem Padi 4 mal mit den Sticks schlägt und neben den nächsten Lied auch mein Erscheinen auf der Bühne verkündet.

Es war ein wahrlich wundervolles Gefühl, als es endlich soweit war. Das Zelt war voll, die Scheinwerfer blendeten so sehr, dass man nur die erste Reihe sehen konnte, mein Alkoholpegel hatte exakt das richtige Level um beruhigt genug auf der Bühne zu stehen und mich am nächsten Tag noch an alles erinnern zu können und der USB Stick im Mischpult des Tontechnikers zeichnete einen Live-Mitschnitt auf. Leider gibt es keine Videoaufzeichnung aus meiner Perspektive, die beim Anfang von Let You Go meine Freunde zeigen würde, wie sie heftig in ihren Taschen kramen und zu Beginn der zweiten Zeile die gesamte erste Reihe mit Wunderkerzen in der Hand mitsingen würde. Der schönste Moment des Abends. Lediglich eine Sache hat gefehlt, dann wäre dies der schönste Augenblick des ganzen Wochenendes - vielleicht sogar des ganzen Jahres geworden - aber sorry, Leute, so habt ihr es nicht über Scheddos Blick geschafft, den er an den Tag legte, als er feststellte, dass er anstatt Apfelwein nur eine Flasche Apfelsaft gekauft. Da hat auch das bisschen Pyrotechnik nicht geholfen. ^^

Nach dem Auftritt ging es steil bergab. So ziemlich genau gegen 1 Uhr verkündete man mir dann, dass es keinen Gratis-Alkohol mehr für die Band gibt, weil wir angeblich zu viel abgegeben haben. Ich kann das nicht bestätigen, ich hab vielleicht mal dem Dome ein Bier gegeben, aber das sollte nicht ausschlaggeben für eine Prohibition sein. Ich kann auch nicht sagen, was die anderen, die ein grünes Bändchen am Handgelenk hatten, gemacht haben. Ich kann nur sagen, dass es mich schwer entäuscht. Wir haben für den Jugendclub eine Stunde auf der Bühne gestanden, wir waren eine der zwei Bands an dem Abend und uns konnte nicht versprochen werden, dass wir für unseren Auftritt und für unsere Bemühungen eine Gage bekommen. Frei Saufen wurde uns dafür versprochen. Um so beschämender für die Veranstalter finde ich es also, dass damit irgendwann Schluss war. Das war auch der Grund, warum wir alle gegen halb 2 abgezogen sind. Wir sind zwar nur eine Band hier aus der Umgebung und wir sind noch relativ unbekannt, aber das heisst noch lange nicht, dass man so mit uns umgehen kann. Ich bin gespannt ob und was da noch passiert.

Wie gesagt, steil bergab. Der Samstag war zum Leben nicht wirklich geeignet. Der einzig schöne Moment war wohl als ich mit Olli in Ernsthausen gegenüber von EDEKA relativ cool an eine Mauer gelehnt stand und ein Eis aß. Man kann auch die späte Aktion im Bahnhofdöner noch erwähnen, wo sich irgendwie viele bekannte Leute zufällig versammelt hatten. Ansonsten bestand der Tag aus einer leicht depressiv angehauchten Stimmung und der absoluten Ahnungslosigkeit wie es weitergehen sollte. Was ich meine? “So ziemlich alles”, hätte ich gestern wohl geantwortet.

Im Gegensatz zu Freitag hat am Samstag diese 7 Watt Birne da oben nicht richtig funktioniert und es liefen elektrische Impulse von links nach rechts, die niemals hätten in Bewegung geraten sollen. Ich hasse meine Gedanken manchmal dafür, denn ab und zu bereiten sie mir imaginäre Probleme, obwohl alles in bester Ordnung ist. Es ist wie ein Blick in den wolkenlosen Himmel. Mein rationales Denken vermittelt mir, dass er in einem wunderschönen Hellblau gefärbt ist, aber meine Fantasie, behauptet er wäre grau und Regentropfen fielen auf mich hinab. Es fordert viel geistige Anstrenung und Suggestion, um mich wieder nach oben zu ziehen, was nicht immer auf Anhieb klappt. Warum mache ich mir Probleme und schlechte Laune, wenn es doch eigentlich gar keinen Grund dafür gibt?

Mittlerweile hab ich mich wieder im Griff. Ich brauch einfach nur Ablenkung und schon ist das Leben wieder eine süße Blumenwiese, auf der ich wie ein hyperaktives Grundschulkind herumtolle. Das Grillen mit Freunden und anschliessende Komm, lasst uns ganz von vorne mit Scrubs anfangen und alle Staffeln gucken Spektakel rissen mich wieder in die Wirklichkeit und liesen mich erkennen, dass doch irgendwie fast alles fast in Ordnung ist.

Als Fazit von diesem Wochenende kann ich also sagen, dass es eine nicht so erfolgreiche Generalprobe für das nächste Wochenende war, an dem gleich 2 Partys steigen, auf die ich mich schon lange freue. Steil tonight und steil tomorrow Steil forever. Und der Live-Mitschnitt ist übrigens nichts geworden. Das hatte der Tontechniker schon gesagt, dass man den im Prinzip vergessen kann, aber hey, hauptsache mal alles mitnehmen, was man kriegen kann!

it’s done, it’s DONE, IT’S DONE!!!

Das Album ist fertig. Wird ja auch Zeit, aht alles eh viel zu lange gedauert.

Heute sind die Covers gekommen und wurden prompt in die CDs eingelegt. Nun ist es soweit und das Album kann endlich an den Mann gebracht werden. 11 tolle Lieder gibt es auf die Ohren. Wer eins kaufen möchte kann sich gerne bei mir oder einem der anderen Bandmitglieder melden. 5 Euro kostet die Scheibe und das ist sie definitiv wert. Wer lieber erstmal probehören möchte ist dazu eingeladen unserer MySpace Seite aufzurufen, da gibt es ein paar Lieder zum anklicken. Kaufen könnt ihr die CD natürlich auch bei unseren anstehenden Live-Auftritten, die da wie folgt wären (Sofern ihr die Flyer da rechts noch nicht bemerkt habt):

12.06.2009 - Röddenau Rockt! In Röddenau am Festplatz (Infos)
19.06.2009 - Rocknacht in Schreufa! Am DGH / Grillhütte (Infos)

Wir haben uns außerdem aus Spass an der Freude beim OpenFlair Bandcontest angemeldet. Wenn ihr uns helfen und uns dort spielen sehen wollt geht auf bandcontest.open-flair.de, meldet euch an und gebt uns eure Stimme!

Wer Bilder von den Aufnahmen sehen möchte, kann das entweder auch auf unserer MySpace Seite oder im StudiVZ.

Zum Schluss möchte ich nochmals allen Menschen danken, die an der Produktion dieses Albums beteiligt waren. Ich selber hätte nie gedacht, dass wir trotz völliger Ahnungslosigkeit so ein geiles Album selber machen können. Vielen Dank.

Außerdem…

… habe ich im Moment ein wenig Angst vor Regen. Seit meine Scheibenwischer ihre Funktionalität auf ein Minimum reduziert haben, ist Regen etwas unpassend.

Oh Gott, mein Auto muss diesen Monat zum TÜV. Wie soll das bloss enden… =(

I have never written

Seit über einem Jahr bin ich Sänger in einer Band. Aber ich habe noch nie einen Text geschrieben. Jetzt ist es soweit. Mein erster eigener Text ist fertig und wir gleich bei der Bandprobe vertont. Ich bin gespannt.

Und um 19 Uhr beginnt dann meine 24 Stunden Schicht in Frankenberg, haut rein, Leute, schönen Abend!